Predigten des Lesejahrs B 2011/2012

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Katholische Pfarrkirche St. Georg

St. Georg Poppenhausen

Predigten 

6. Sonntag der Osterzeit - Muttertag - Joh 15, 19 - 17 

Heute ist Muttertag!
Einmal im Jahr ist ein Sonntag der Ehre unserer Mütter gewidmet. Dieser Tag, der immer ein Sonntag ist, soll an die große und wichtige Bedeutung unserer Mütter erinnern.
Den Muttertag zu vergessen – das ist für viele schon so, als hätte man den Geburtstag der Mutter vergessen. Selbst viele Mütter erwarten wie selbstver-ständlich, dass ihre Kinder ihnen an diesem Tag gratulieren, alles Gute zum Muttertag wünschen und der Mutter etwas schenken, ihr eine kleine Aufmerk-samkeit zukommen lassen oder die Mutter an diesem Tag ein wenig verwöhnen.

Der Muttertag ist ein Tag der Aufmerksamkeit für jene Person, in der unser Leben begann – in der unser Leben Raum bekam. Die Mutter ist die Urerfahrung, dass wir in einem anderen gelebt haben, in der Mutter, die für uns Monate lang zum Lebensraum wurde, die uns umschloss und uns ernährte, die uns in sich groß werden ließ. Später wurde das sogar zum Bild für Gott:“…in IHM sind wir leben wir und bewegen wir uns. (Apg 17, 28)

Die Mutter war unser erster Lebensraum.
Wenn wir dann geboren wurden, kamen wir in einen anderen Lebensraum, wir „erblickten das Licht der Welt“, wie es in alter Redeweise heißt.
Aber dennoch bereitete uns normalerweise die Mutter diesen neuen Lebensraum der Welt durch ihre Sorge und Fürsorge.

Manche Mütter umfangen auch außerhalb des Mutterschoßes ihre Kinder in einer Weise, dass sie – wie wir bildhaft sagen – „die Nabelschnur nicht wirklich durchtrennt haben“. Eine wirklich gute Mutter entlässt ihre erwachsenen Kinder in die Freiheit und weiß auch, dass sie nur für eine gewisse Zeit Lebensraum und Lebensraumgestalterin ihrer Kinder ist. Sie gibt ihren Kindern eine Geborgenheit, damit sie zu freien, selbstständigen Menschen heranwachsen.
Eine gute Mutter weiß, dass sie nicht das Ziel der Kinderträume ist, sondern das Fundament für Kinderträume, damit das Kind SEINE eigenen Ziele erreicht – und nicht die Ziele der Mutter.
Manche Mütter tun sich da sehr schwer. Der Natur nach, haben sie ihre Kinder zwar zur Welt gebracht, aber ihrem Streben nach umfangen sie ihre Kinder, als wären sie immer noch in ihrem Schoß. Das macht das Leben de Kinder dann schwer.

Wenn wir heute die Mütter ehren, wenn wir heute unseren Müttern deutlich machen, dass sie verehrungswürdig sind, dann nur in dem Sinn, dass Sie als Mutter das Fundament gelegt haben, dass wir durch ihre Liebe und Sorge freie Menschen geworden sind, die durch das Vorbild der Mutter fähig wurden, Verantwortung für andere zu übernehmen – so wie die Mütter es taten als sie uns in ihrem Schoß umfingen. Wir ehren unsere Mütter, weil sie uns einen Lebensraum in sich und um sich herum gaben, der uns ermöglichte, unser Leben trotz unserer Grenzen zu bejahen und zu lieben.

Gerade das heutige Evangelium macht das deutlich, wenn Jesus sagt: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich Euch geliebt“. Jesus spricht von einer Liebe, die er empfangen hat, die ihn dann fähig macht, seine Jünger zu lieben: andere Menschen zu lieben. Und dieses „Lieben“ ist keine „Kuschelliebe“.
Es ist die Liebe, die fähig macht, das begrenzte Leben, die begrenzten Menschen zu lieben.

Denn der Vater liebte in Jesus ein Kind, das im Stall geboren wurde, ein Kind, das sich mit 12 Jahren von seinen Eltern trennte, weil es nicht ihr Kind war, sondern weil es sich durch den Glauben selbst gehörte. Dazu hatte es die Liebe des Vaters erzogen.
Dieser Vater liebt einen Bauhandwerker aus dem verrufenen Nest „Nazareth“, der nichts Besonderes war, der aber durch die Liebe des Vaters ein besonderes Leben führte – auch wenn es in den Augen der Welt in Schimpf und Schande endete. Es war die Liebe, die fähig machte, nach dem Gewissen zu leben und nicht nach den Ansichten einer dumpfen Masse, die nie tiefer über ihr Leben nachdachte. Jesus erlebte durch den Glauben eine Freiheit, seinen Weg vor Gott zu gehen. Wenn Jesus sagt: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich Euch geliebt“, dann heißt das: Jesus hat eine befreiende Liebe erfahren, die so befreiend war, dass sie ihm die Kraft gab, auf seine Weise die begrenzten Menschen zu lieben.

Denn wenn wir auf die Jünger schauen, dann musste Jesus sehr engstirnige, begrenzte, kleinkarierte Menschen lieben. Denn so waren seine Jünger vielmals. Aber genau das hat aus diesen sehr begrenzten Menschen in vielen Fällen weite Menschen gemacht.
Da kann der großspurig daherredende Petrus, der aus Angst Jesus verleugnet, plötzlich über sein Verhalten weinen. Das ist Weite!
Da können Apostel, die sich darüber streiten, wer von ihnen der Größere sei, am Ende ihr Leben hingeben, weil für sie die Gemeinschaft mit Gott das Wichtigste ist. Das ist innere Weite.
Da erleben sie, dass ihr Herr und Meister am Kreuz zugrunde geht und sie können daran glauben, dass Gott aus Untergang und Tod neues, gewandeltes Leben erweckt. Das ist Weite.
Das ist Weite aus der Liebe Gottes, die den begrenzten Menschen liebt, damit er zu dieser Weite des Lebens kommt.

Das ist auch der eigentliche Dank, die eigentliche Verehrung der Mütter am heutigen Tag, dass sie unser Leben in ihrem begrenzten Lebensraum, den Mutterschoß aufnahmen, um uns dadurch das Fundament zu geben, weite Menschen zu werden, trotz aller Grenzen.

Alles wiete Leben entsteht in der Enge.
Die Liebe hilft, dass es trotz der Enge weit wird. Und weit wird es nur durch die Haltung: Ich bin für Dich da, wenn Du mich brauchst.
Eine Mutter ist der Entstehung- und Zufluchtsort, um den Kindern innere Weite zu geben.

In letzter Konsequenz wie Maria, die Mutter Jesu, die ihn ganz loslässt, damit er als Auferstandener verwandelt zurückkehrt. Das ist der wahre Dank an eine Mutter, dass sie das Kind nur so lange im Nest birgt, bis es sich selbst wie ein Vogel erhebt, die Schwingen ausbreitet und davonfliegt. Der Dank ist nicht in erster Linie ein schöner Muttertag, sondern zu sehen, dass man seine Kinder so geliebt hat, dass sie verantwortungsvoll und treu mit Hingabe leben können.
Dazu segne Gott alle unsere Mütter. Amen.

Ferdinand Rauch als Pfarrer www.katholische-kirche-poppenhausen.de

5. Ostersonntag B Joh 15, 1 – 8 

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“.
Wir kennen dieses Wort Jesu und wissen nicht nur durch seine Worte, sondern aus ganz natürlicher Erfahrung, dass es stimmt, dass Reben aus sich heraus keine Früchte bringen, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleiben.

Unsere Natur lehrt uns – ganz unabhängig von Glaube, Religion und Theologie, dass alles Leben immer nur „Leben im Zusammenhang ist“ ist.
Gerade in unserer deutschen Sprache wird das besonders deutlich, denn das Wort „LEBEN“ kommt von „KLEBEN“ – meint also das Zusammenfügen von zwei verschiedenen Teilen. Erst das Zusammenhang, im Zusammensein entsteht t das Leben.

In der Sprache Jesu wird das auch deutlich, wenn wir sein Bildwort vom Weinstock und von den Reben anschauen. Denn sowohl für „Weinstock“ als auch für „Rebe“ gibt es nur ein gemeinsames Wort:  גףן  = GePheN“. Dadurch wird deutlich wie eng – ja wie untrennbar Weinstock und Rebe zusammen gehören. Sein Wort: Ich bin der Weinstock, Ihr seid die Reben“, ist weniger ein Bildwort, um einen Unterschied aus zu drücken, als damit vielmehr eine totale Übereinstimmung, eine Identifikation an zu sagen.

Auch ein Weinstock ohne Reben ist sinnlos!
Ein Gott ohne Menschen – ein Mensch ohne Gott ist sinnlos, fruchtlos. Gott will nicht ohne uns sein. Er will Frucht bringen. Er will sein Leben, seine Liebe in uns leben.

Viel zu sehr wird bei dem Text oft darauf hingewiesen, dass wir uns ja nicht von Christus trennen lassen sollen, sonst „vollbringen wir nichts“, sonst werden wir weggeworfen und verdorren“, sonst werden wir ins Feuer geworfen und verbrennen“. Man warnt vor dem Verlust.

Viel zu wenig wird der Gewinn betont, der darin liegt, dass Gott sich durch Christus Jesus mit uns identifiziert!
Bevor ich einen Verlust  erkenne, muss ich doch erst den Gewinn erkannt haben, den mir mein falsches Verhalten zerstören kann. Und der Gewinn ist die Einheit von Gott und Mensch.
Andauernd hören wir in verschiedenen Weisen wie Jesus davon spricht: “Bleibt in mir und ich in Euch.“ Das ist nur eine andere Art, um zu sagen: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Das bedeutet doch: Gott will – als Weinstock – sein Leben in uns leben, in uns „ausleben“!
Das müssen wir uns mal so richtig vorstellen: Gott will sich in uns ausleben. Gott lässt sein Leben in meine Begrenztheit einströmen. Er sagt damit „JA!“ zu mir, zu Dir, zu uns und nimmt uns mit unserer Begrenztheit, um die Fülle seiner Liebe aus zu drücken.
Das ist nämlich die Liebe Gottes: „ER LIEBT DIE BEGRENZTEN!“
Und das ist die   w a h r e  Liebe: den begrenzten Menschen zu lieben.

Man könnte es mit dieser Beere der Weintraube deutlich machen. Gott legt seine ganze Fülle in diese Begrenzung – wie den Saft in die Beere.
Das macht sie süß und fruchtig. Nicht die Liebe zum Grenzenlosen, zum Unfassbaren, zum Ewigen ist die wahre Liebe, sondern die Liebe zum Begrenzten.
Darum sollen wir Jesus Christus als wahren Weinstock anerkennen. Nur ER liebte bedingungslos die begrenzten Menschen: Lahme, Blinde, Aussätzige, Sünder. Sie litten an ihren Grenzen. Er  liebte diese begrenzten Menschen und so überwanden sie die Grenzen ihres Lebens…; vielleicht sogar nur auf jene Weise wie Menschen heute ihre Grenzen sprengen, wenn sie als Querschnittsgelähmte sagen: „Es geht wieder!2 oder als Blinde meinen: „Mir ist ein Licht aufgegangen. Jetzt habe ich neue Aussichten!“

Wahre Liebe wendet sich den Grenzern zu.
Und das ist der Gewinn, den wir durch Christi Liebe erfahren. Das ist ja das „Unfassbare“  für viele, dass Gott sich begrenzt, um uns seine Liebe zu zeigen – wie auch gleich in der Kommunion! Das traut man ihm trotz Jesus oft nicht zu. Ja, das will man oft nicht. Das lehnen wir ab. Wir sehen uns nach dem Unbegrenzten, dass es in dieser Welt nicht gibt: weder räumlich noch zeitlich!

Wir staunen daher gern, wenn wir auf Anhöhen, Bergen, Gipfeln stehen und in die Weite schauen und vergessen, dass die unbegrenzte Liebe in uns ist, weil er uns mit unseren Grenzen annimmt. Das ist ja die eigentliche Weite Gottes: den begrenzten Menschen zu lieben.

Darum liebe ich ein Gebet bei der Gabenbereitung besonders, nämlich das Gebet bei der Mischung von ein paar Tropfen Wasser in den Kelch mit Wein. Es heißt: „Wie das Wasser sich untrennbar mit dem Wein zu einem heiligen Zeichen verbindet, genauso lasse uns Anteil haben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat.“ 
Auch das ist nur ein anderes Wort für: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Das ist die Einswerdung!
Nicht durch Verdienst, nicht durch Leistung, sondern allein durch Gott, der uns  begrenzte Menschen liebt.´
Getrennt von diesem Gott, der die begrenzten Menschen liebt, können wir nicht wirklich lieben. Ohne ihn lieben wir nur das „unbegrenzte Leben“: das Leben, das sich um des anderen willen nicht eingrenzen, nicht einschränken will – und daher nicht lieben kann.

Es ist nicht leicht, eine kleine begrenzte Beere zu sein. Doch all das Süße, das Fruchtige, das, was zu Wein werden kann, liegt in diesen Grenzen.
Darum lieben wir sie, ihren Saft, ihren zukünftigen Wein.

Und darum liebt Gott uns:
Er weiß: Ich habe mich in Dich hineingesprochen durch mein Wort. Mein Leben ist in Dir.
Komm und iss und trink mich in Dich in Deine Grenzen hinein, dann wird Dein Leben weit.

Ferdinand Rauch als Pfarrer     www.katholische-kirche-poppenhausen.de

4. Sonntag der Osterzeit B Joh 10, 11 - 18 

Jesus sagt ein großes Wort über sich selbst:
„Ich bin der gute Hirt“. (Joh 10,11)
Und dann hören wir, was Jesus darunter versteht:
„Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe“.

Wer sein Leben für jemand anderen hingibt, der macht damit deutlich, dass ihm das Leben und Weiterbestehen des Anderen wichtiger ist als das eigene Wohlergehen und Leben.
Dabei fällt auf, dass Jesus einen Vergleich wählt, wo ein Mensch sein Leben für Tiere gibt – so als wolle er mit diesem bedeutenden Unterschied darauf aufmerksam machen, dass Gott sein Leben für uns Menschen hingibt. Gott ist das Leben und Weiterbestehen von uns Menschen wichtiger als sein eigenes Leben.
Es kommt Gott also gar nicht darauf an „über uns“ zu stehen, oder „größer, mächtiger“ oder sonst wie „höher“ zu sein als wir. Ihm sind wir wichtiger – ja, für IHN sind wir die Wichtigsten. Gott macht uns zum Wichtigsten in der Welt. Durch Ihn selbst sind wir wichtiger als GOTT.

Gerade an Ostern haben wir ja gefeiert, dass Gott sich lieber zum Verbrecher, zum Verurteilten, zum Gekreuzigten und Toten machen lässt, als sich von uns Menschen zu trennen. Wenn Jesus also sagt: „Ich bin der gute Hirt“, dann bedeutet das: „Jesus, Du machst Dir das Leben aus Liebe zu uns Menschen sehr schwer. Jesus – so wie Du zu uns Menschen stehst – ist das nicht mit Geld auf zu wiegen. Das ist unbezahlbar. Mit Deiner Auffassung von „Hirtendasein“ kannst Du nichts an uns verdienen.
Darum sagt Jesus auch: „ …wer Lohnhirt und nicht Hirt ist, dem sind die Schafe nicht wie sein eigenes Leben“. (Joh 10,12) Für Jesus sind wir wie sein eigenes Leben.

Jesus, der ja für Gott steht, macht damit deutlich: Gott sucht keine Verbindung zu uns Menschen, damit er etwas „von uns hat“, sondern Gott sucht zu uns eine Verbindung, durch die er sich ganz für uns alle hingeben kann. Er will, dass wir etwas von IHM haben. Im Grunde verliert Gott sein Leben an jeden von uns – auch an die, die sagen: „Ich glaube an Gott…“, auch an alle, die in die Kirche gehen.

Fragen wir doch mal im Sinne eines Lohn- und Verdienstverhältnisses:
Was verdient Gott an uns?
Was hat er von uns?
Muss er nicht andauernd bei uns drauflegen?:
…an Geduld, an Verständnis, an Vergebung?
Muss er nicht andauernd drauflegen an Liebe, weil er sieht, wie wenig Interesse wir Menschen an ihm und seiner Liebe haben?

Wie verzweifelt, deprimiert, niedergeschlagen müsste Gott, der gute Hirt sein, wenn er über Jahrtausende hinweg jeden Tag miterlebt, wie seine geliebten Menschen sich selbst das Leben schwer machen, weil sie sich an jedem Unsinn festhalten – nur nicht an ihm, der ewig an uns festhält, der uns mit ewiger Treue liebt?

Darum sind wir gut behütet.
Denn der „Gute Hirt Jesus“ gibt nur! Niemals nimmt er etwas von uns.
Er wartet so lange, bis jemand aus freien Stücken sagt: „Gott, ich nehme Dich an! Gott, ich liebe Dich!“ Denn Gott er-wartet n i c h t s. Gott wartet immer nur auf Dich und mich – auf jeden von uns.

Wir sind oft voneinander enttäuscht, weil wir nicht warten, sondern weil wir für uns etwas von anderen erwarten! Der gute Hirt ist nie enttäuscht. Ein enttäuschter Hirte kann nicht gut sein. Ein ent-täuschter Hirte müsste dann ja zuvor ein „ge-täuschter“ Hirte gewesen sein. Doch Gott ist kein getäuschter Gott und darum auch nie ein ent-täuschter Gott.
Gott weiß Bescheid über uns.
Darum sagt der Gute Hirt Jesus:
„Ich bin der gute Hirt, und ich kenne die Meinen, und es kennen mich die Meinen“. (Joh 10,14).
Gott kennt uns. Er weiß wie wir sind!
Darum ist Gott niemals enttäuscht von uns.
Und wer Gott kennt, der ist auch niemals von Gott enttäuscht, sondern er kann sogar in der schlimmsten Lebenskrise, in Kreuz und Leid noch er-kennen: „Du bist bei mir. Du bist bei allen Menschen. Du, Gott liebst uns!“

Nur, wer Gott nicht kennt, wer sich wegen falscher Vorstellungen getäuscht hat, der ist ent-täsucht von Gott. Aber Gott ist niemals ent-täuscht von uns. Genauso wie ein Hirt niemals von seinen Schafen enttäuscht ist, weil er weiß, wie seine Schafe sind und welche Grenzen der Einsicht und Erkenntnis seine Tiere haben.
Darum sagt der Gute Hirt Jesus noch in der tiefsten Stunde seines Leides: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34)

Dieser gute Hirt wird niemals eine Art „Lohnhirt“ sein, der sagt: „Was bringst Du mir? Was hab ich von Dir“? Er sagt: „Ich liebe Dich wie Du bist, damit meine Liebe Dir einen Neuen Anfang ermöglicht.“
Er ist der Hirte, der niemals etwas von uns verlangt, sondern dessen Liebe in uns hervorrufen möchte, dass wir freiwillig füreinander da sind, dass wir freiwillig „verbindlich“ sind, dass wir aus freiem Willen treu sind.

Darum werde ich auch niemals bei der Heiligen Wandlung sagen: „Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für Euch und für „v i e l e“ vergossen wird …“, wie Rom es neuerdings fordern will. So lange ich lebe, werde ich immer sagen: „…für Euch und für a l l e …“.
Denn unser guter Hirt schließt alle Menschen in seine Liebe ein. Amen.


Ferdinand Rauch als Pfarrer www.katholische-kirche-poppenhausen.de

St. Georgstag 23. April 2011 Patronatsfest 

St. Georg – wir kennen ihn durch unsere Bilder und Figuren.
Hier, über dem so genannten Georgsaltar, sehen wir ihn in Rüstung mit hochaufragender Lanze, mit der er den Drachen bezwingt, der den Menschen das Leben raubt.

Im Haupteingang begegnet er uns auf dem Schlachtross und holt mit gewaltigem Schwung aus, um den Drachen, den Feind des Lebens, mit einem Schwerthieb zu erledigen.

So heißt er oftmals nicht nur „St. Georg“ – „Heiliger Georg“, sondern „Georg der Drachentöter“.

Da erstaunt es, dass ausgerechnet die Lesung und das Evangelium gar keine martialischen Töne anschlagen, nichts von Drachenkampf und Drachentötung anklingen lassen, sondern die Lesung z. B. von einem geradezu ganz anderem „Sieg“ spricht, als unsere Bilder und Darstellungen es vermuten lassen.

Es hieß im letzten Vers der Lesung: „Wer siegt, wird dies als Anteil erhalten: Ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein“.

Der Sieg über den Drachen, der das Böse, das Lebensfeindliche darstellt, ist also kein Sieg, der das Böse vernichtet, sondern, der Sieg liegt in einer neuen Beziehung zu Gott. Und zwar in der dichtesten und intensivsten Beziehung, die es in der Vorstellungswelt der Bibel gibt: Gott sagt: „Ich werde Dein Gott sein, und Du wirst mein Kind sein.“

Die Überwindung des Bösen wird also dadurch gegeben, dass der Mensch in eine neue Gottesbeziehung gelangt. Das ist das Ziel. Das Ziel ist nicht der „Kampf gegen etwas“, sondern die intensive Verbindung mit Gott.

Das ist also das Wesen des Heiligen Georg, unseres Patrons: Leben aus der Vater-Sohn Beziehung, die uns Christus Jesus offenbart hat. Das ist der Anfang und das Ende, das Alpha und das Omega. Der Mut, die Kraft, die äußere Lanze des Heiligen Georg sind Ausdruck für den Mut, die Kraft und die Mittel, die demjenigen gegeben sind, der aus dieser Beziehung lebt.
Daher gibt es auch Georgs-Legenden, die nicht damit enden, dass der Drache getötet wird, sondern gezähmt wird.

In einer dieser Legenden heißt es:
Es erhob sich ein fürchterliches Gebrüll.
Der Drache stieg aus der dunklen Tiefe hervor.
Er spuckte Schwefel und Feuer.
Georg hob seine Lanze.
Er ritt mit Macht gegen das Untier.
Es begann ein Kampf auf Leben und Tod.
Der Drache wurde bezwungen.
Da war einer gekommen, der furchtlos war,
einer, der Mut hatte,
einer der den Kampf wagte, einer, der stärker war als das Tier.
Georg war der Sieger, der Held.

Doch dann heißt es überraschender Weise:

Die Königstochter warf den Gürtel um den Hals des Tieres.
Der Drache lag besiegt zu Ihren Füßen.
Der König und die Menschen staunen.
Sie fragen: Woher hat Georg die Kraft?
Georg aber rief:
„Fürchtet Euch nicht!“
Im Zeichen des Kreuzes habe ich den Kampf gewagt.
Im Namen des Herrn habe ich den Kampf überwunden. Mit seiner Kraft könnt auch Ihr das Böse, das Lebensfeindliche überwinden.

Der Mut, die Kraft, die Lanze des Georg übertragen sich auf die Prinzessin, die nun ihrerseits Mut und Kraft hat, den Drachen mit ihrem Gürtel wie ein Schoßhündchen gebändigt an der Leine zu führen.

Georgs Kraft kommt aus seiner Gottesbeziehung. Als Getaufter Christ lebt er aus der Beziehung: Gott ist mein Vater! Dieses Verhältnis tötet nicht, sondern verwandelt: die Prinzessin, die diese Beziehung nicht kannte, aber nun durch Georg angenommen hat und auch den Drachen, der anscheinend nur deswegen so groß und mächtig erschien, weil die noch größere Beziehung nicht bekannt war: nämlich die Gotteskindschaft.

Unser Patron Georg verkündet uns also: Lebe aus dieser Beziehung zu Gott als Deinem Vater und Du erhältst Mut und Kraft und das anscheinend so übermächtige Böse und Lebensfeindliche wird gebändigt.

Ferdinand Rauch als Pfarrer www.katholische-kirche-poppenhausen.de

3. Sonntag der Osterzeit B LK 24, 

Jedesmal, wenn wir zur Kommunion gehen, dann wird uns das Sakrament vor Augen gehalten und der Priester oder der Kommunionhelfer spricht „Der Leib Christi“.
Ganz bewusst wird uns gesagt: „Der Leib Christi“, und nicht etwa: „Der Leib Jesu“.

Damit wird ganz deutlich: Wir empfangen bei der Heiligen Kommunion nicht den körperlichen Leib des historischen Jesus von Nazareth vor 2000 Jahren, sondern den Geist-Leib Jesu, der erfüllt ist mit dem Geist Gottes, der uns in Jesus offenbarte: Ich bin bei Euch, und zwar leibhaftig,  das heißt: untrennbar mit Euch verbunden: Vor 2000 Jahren leibhaftig in der Gestalt des Menschen Jesus von Nazareth und heute leibhaftig in jener Brotgestalt, in der Jesus den Inhalt seines Lebens dargestellt sah. Er sah nämlich im Brot den Vorgang von Tod und Auferstehung, weil aus zerriebenen Körnern – aus totem Mehl – Brot zum Leben wurde.

Darum wird uns dieses Brot mit den Worten: „Der Leib Christi“ gereicht, weil Jesus seinen Lebensinhalt, seinen Glauben an das Leben mit Gott damit identifizierte.
Im Brot sah er, was er glaubte: Der Tod ist durch Gottes Kraft kein Lebensende, sondern durch Gott auch ein Weg zum Leben. Was wir also bei der Kommunion empfangen ist nicht der Körper Jesu, sondern der Leib Christi – der Leib seines Geistes, seiner Lebensbotschaft: Gott ist Leben. Dieser Leib soll uns mit Gottes weitergehendem Leben verbinden und seinen Geist auf uns, ja in uns hinein übertragen.

Für uns ist das durch unsere Erziehung und unsere religiöse Praxis so zu sagen „etwas ganz Normales“. Wir haben das als katholische Christen so gelernt. Doch für die Jünger war das etwas Neues, ja Fremdes. Sie hatten Jesus und seine Botschaft uns in Menschengestalt kennen gelernt. Ihn plötzlich anders sehen zu sollen, war ihnen nicht gleich möglich. Zuletzt hatten sie ihn sogar tot gesehen – als leblosen Körper, als zerstörten Menschen.

Nun sollten sie erstens glauben, dass er lebt
und zweitens glauben, dass er in neuer Gestalt bei ihnen lebendig ist:
nicht als Mensch den Menschen gegenüber, sondern als lebendiger Geist in ihnen, den Menschen.
Darum hören wir immer wieder, dass er ihnen zwar begegnet, aber sie haben Angst und Zweifel, ob diese neue Art der Begegnung auch wirklich mit dem Jesus übereinstimmt, mit dem sie bisher zusammen waren.

Nicht nur, dass Jesus von Gott auferweckt wurde, sollten sie glauben.
Sie sollten ebenso glauben, dass ein so gescheiterter  Mensch, ein Gekreuzigter, leben soll. Sie sollten glauben, dass ein total kaputtes Lebensende zu einem neuen Leben bei Gott führen soll. Sie sollten glauben, dass ein gescheitertes Leben von Gott als „erfüllt“ anerkannt wird?

Sie brauchen einige Zeit, um das glauben zu können.
Erst als sie erkennen: wenn wir das von Jesus glauben, dann bekommen auch unsere eigenen Lebensbrüche, unser eigenes Scheitern einen neuen Sinn, erst als sie spüren:  das hat ja was mit unseren Lebensfragen zu tun, da merken sie, wie wichtig dieser Glaube ist. Denn dieser Glaube gibt kein Leben auf. Solange sie das Leben von Jesus isoliert von ihrem eigenen Leben sehen und sagen sollen: „Ich glaube an die Auferstehung“, haben sie Zweifel. Als sie aber merken: das ist eine Botschaft für Menschen, die sich als Gescheiterte fühlen, für alle, die über ihr Leben verzweifelt sind, da merken sie: Es geht nicht nur darum, an irgendwelche Wunderdinge zu glauben. Nein! Es geht darum, die eigenen Lebenskrisen zu bewältigen.

Dazu ist Jesus bis in den Tod gegangen, dass es keinen Punkt mehr im Leben gibt, der nicht zu Gott gehört.  Darum heißt es am Ende des heutigen Evangelium, dass allen Menschen das Evangelium verkündet werden soll: Alle sollen aus der Gottesbeziehung Jesu  Kraft für ihre Lebenskrisen bekommen.

Und die Apostel sollen Zeugen dafür sein. Sie sollen nicht nur bezeugen: „Jesus ist auferstanden!“ Sie sollen bezeugen: Dieser Glaube tut uns gut!  Dieser Glaube trägt uns im Leben – aber besonders in den schweren Zeiten des Lebens.
Ein Glaube, der nicht konkret im Leben hilft, der nicht Kraft gibt, der taugt nichts. Was werden wir unseren Kindern sagen: Glaubt an die Auferstehung!, oder: „Mir gibt der Glaube an die Auferstehung Kraft!“?
Zeuge Jesu Christi – also Christ zu sein – bedeutet nicht:
„Ich glaube nur an Jesus Christus“, sondern: Ich glaube an sein Leben in mir.
Ich glaube an seine Auferstehung in mir.
Darum feiern wir gleich Eucharistie! :
Sein Leben in unserem Leben. Seine Gottesbeziehung in uns.
Seine Angstlosigkeit vor den Mächten der Welt in uns.
Sein Vertrauen - trotz vieler Widerstände – in uns.
Dafür sollen wir Zeugen sein: für Gott in uns, und zwar im Leben und im Sterben.
Das ist Auferstehung, an die wir glauben.

Diese Auferstehung hat dann auch wirklich:
Hände und Füße, Fleisch und Knochen und auch Wunden.
Diese Auferstehung ist dann wirklich leibhaftig: wie damals in Jesus, so heute in uns. Ja, wir müssen dem Auferstehungsglauben unsere Hände und Füße, unsere Wunden geben. Das ist heute der Leib Christ: Sein Leben in uns.

Darum gehen wir zur Kommunion und sagen dabei  „Amen“, wenn uns der Leib Christi gereicht wird.


Ferdinand Rauch als Pfarrer    www.katholische.kirche.poppenhausen.de

2. Sonntag der Osterzeit Joh, 20, 19-31 

Ostern ist das Fest des Neuanfangs…,
aber auf der Grundlage der Vergangenheit.
Denn zur Auferstehung, zum Neuanfang des Lebens gehört der vorherige Tod Jesu.
Ostern ist nicht nur einfach „Auferstehung“.
Ostern verbindet Tod und Auferstehung und hält das weiterhin zusammen.

Viele sehen Ostern gern isoliert, so, als gäbe es Ostern ohne vorherigen Tod. Und manche denken: mit Ostern höre die Vergangenheit auf und es beginne ein ganz neues Leben, dass nichts mehr mit der Vergangenheit zu tun habe.
Gerade das heutige Evangelium zeigt sehr deutlich: Der Auferstandene Jesus, dem Gott einen neuen Anfang des Lebens geschenkt hat, trägt auch nach seiner Auferstehung immer noch die Wundmale der Nägel, mit denen man ihn gekreuzigt hatte. Er trägt immer noch die Wunde des Lanzenstiches.
Auferstehung – so verkündet uns diese bildreiche Ostererzählung – bedeutet nicht die Auslöschung der Vergangenheit, bedeutet nicht die Aufhebung der Kreuzeserfahrung. Wir sehen: diese Vergangenheit gehört auf ewig zu Jesus. Keine Sekunde seines Lebens geht verloren.

Wie ist das mit uns?
Sind wir so mit ihm auferstanden durch unseren Glauben, dass wir jeden Augenblick unseres bisherigen Lebens annehmen können? Auch die schwierigen Zeiten…, die Erfahrungen von Lebensbrüchen…, von unwiederbringlich zerstörten Lebenswegen?
Jesus, so haben wir gehört, kommt mit den Zeichen seines zerstörten Lebens und sagt sogar: „Friede sei mit Euch“. Das ist mehr als „Auferstehung von den Toten“. Das ist unendlich mehr als ein leeres Grab und erfordert einen noch größeren Glauben als den Glauben an die Auferstehung von den Toten.

Denn das bedeutet: zur Auferstehung gehört die Versöhnung mit unserer ganzen Lebensgeschichte…, Versöhnung mit unseren Wundmalen, Versöhnung mit unseren zerstörten Lebenswegen…, letztlich Versöhnung mit unserem Tod.
Das will Thomas sehen! Er will sehen, dass das möglich ist.
Die Geschichte von Thomas und Jesus ist die Geschichte „vom Ziel der Auferstehung“. Denn das Ziel der Auferstehung ist nicht einfach ein Leben in Frieden, das nichts mehr mit unserem bisherigen Leben zu tun hat. Das ewige Leben fängt eben nicht erst nach dem Tod an. Es hat schon jetzt begonnen, vom ersten Augenblick unseres Daseins an. Wir sind schon jetzt im ewigen Leben, wir sind umfangen von der ewigen Liebe Gottes. Es gibt kein ewiges Leben „erst nach dem Tod“. Jetzt sind wir im ewigen Leben. Nur mit dem Unterschied, dass wir durch die Wunden, die wir jetzt an Leib und Seele empfangen, oft nicht versöhnt sind. Wir können – wie Thomas – nicht glauben, dass Gottes Liebe uns mit unseren Lebensbrüchen versöhnen kann. Wir können nicht glauben, dass da eine ewige Liebe ist, gegen die aller Schmerz, alle Grausamkeit, alles Nichtverstehen-Können keine Bedeutung hat.

Wenn Thomas die Wunden Jesu sehen und berühren will, dann nicht, um einen Beweis für die Auferstehung zu haben. Diesen Beweis konnte er auch ohne die Wunden bekommen. Er wollte die Wunden Jesu sehen und anfassen und damit in Frage stellen: Kann es eine Liebe geben, die das Böse, was Jesus erfahren hat, auslöscht, unbedeutend macht und so zur Versöhnung führt, so dass man mit diesen Wunden sagen kann: „Friede sei mit Euch!...“ und: „Vergebt einander das Böse“?

Thomas führt uns mit seiner Bitte, die Wunden Jesu sehen und berühren zu dürfen, zum eigentlichen Kern der Auferstehungsbotschaft: dass es eine Liebe gibt, die uns alle nicht nur vom Tod, sondern vom Bösen erlöst. Also davon, dass man irgendeinen Augenblick,



eine Lebenszeit, ein schlimmes Ereignis, einen schrecklichen Verlust als „verlorene Zeit“, als „sinnlose Zeit“, als „lebensunwertes Leben“ bezeichnet.
Das gibt es nicht für Jesus, der trotz ungerechter Verurteilung, ungerechten Leides und Todes zu den Menschen kommt und sagt: „Friede sei mit Euch“…und dann die Wunden zeigt.

Jesus verkündet mit seiner Auferstehung eine Beziehung zwischen Gott und Mensch, die all dem, was wir „böse“ nennen, die Kraft nimmt, zu sagen: „Diese Erfahrung, diese Situation ist sinnlos.“ Jesus verkündet eine rettende Beziehung, durch die selbst das größte Leid noch einen Sinn bekommen kann. Das kann natürlich nur der erkennen und verstehen, der  an die Liebe Gottes glaubt, die größer und bedeutender ist als alles Böse.

Als Thomas das bei Jesus erkennt, sagt er: „Mein Herr und mein Gott!“ Er sieht den Gott mit den ewigen Wunden, der mit sich und der Welt versöhnt ist. Thomas sieht nicht einfach nur den Auferstandenen. Thomas sieht den durch Gott mit sich total versöhnten Menschen. Das ist das Ziel der Auferstehung.
Ob wir durch Jesus Christus mit unserem Leben versöhnt sind?
Zu sagen: „Ich glaube an Gott!“ ist nicht schwer. Dafür kam Jesus auch nicht. Denn alle Menschen seiner Zeit glaubten irgendwie an Gott.
Wenn Jesus sagt: „Ich glaube an Gott!“, dann bedeutet das: Durch meinen Glauben an Gott bin ich mit meinem Leben versöhnt, denn Gottes Liebe ist größer als alle Bosheit der Welt. Das ist wahrer Glaube, den kein Kreuz zerstört. Amen.


Ferdinand Rauch als Pfarrer     www.katholische-kirche-poppenhausen.de

Erstkommunion 2012 B Joh, 20 19 - 31 

Liebe Kommunionkinder,
Euer diesjähriges Symbol ist das Licht.
Hier, auf der großen Sonnenscheibe sind Eure Bilder im Lichtschein der großen Christuskerze angebracht worden. „Das Licht Christi scheint auf Euch“, soll das bedeuten. Und auf Euren Kommunionkerzen sehen wir die Lichtstrahlen, umgeben mit den Worten, die Jesus sagt: „Ich bin Dein Licht“.
Jesus Christus will euer Leben hell machen.

Das Besondere der Lichtquelle auf Eurer Kommunionkerze ist die Mitte.
Die ist nicht einfach „strahlend Weiß“ wie das Licht, sondern in der Mitte der Lichtquelle finden wir die Zeichen für den Leib und das Blut Christi, die Hostie und den Kelch.

Es geht hier also um ein anderes Licht.
Es geht um das Licht „in unserem Herzen“, wie wir sagen; es geht um das Licht, das uns innerlich hell macht, weil Gott spürbar durch seinen Leib und sein Blut nicht nur zu uns, sondern sogar „in uns hineinkommen will“.
„Ich bin Dein Licht“ – diese Worte bedeuten:
„Ich, Dein Gott, komme zu Dir!
Ich, Dein Gott, komme in Dich hinein!
Ich, Dein Gott, verbinde mich untrennbar mit Dir!
Ich, Dein Gott, mache Dich, mache Euch alle zu meinem Lebensraum, weil ich Euch liebe! Ich bringe Euch Licht von Ihnen her, weil ich Euch liebe!

Wer darauf vertraut, wer das glaubt, in dem wird es innerlich hell. Der sagt: „Ja, Du, Gott, bist mein Licht.“
Wir kennen natürlich auch die Erfahrung, dass es in unserem Herzen dunkel ist, obwohl das Licht leuchtet, das Licht der Lampen, das Licht der Sonne. Wenn wir uns nämlich verlassen und allein fühlen, wenn wir zerstritten sind oder uns große Sorgen bedrücken, dann empfinden wir unser Leben als dunkel – ohne Licht und Leben.

Wir haben ja gerade gehört, dass die Jünger Jesu in so einer inneren Dunkelheit saßen.
„Ihr Licht“ – Jesus – war nicht mehr da. Mann hatte ihn verurteilt und getötet. Er hatte ihnen soviel Licht ins Herz und ins Leben gebracht! Nun war er tot. Alles schien aus zu sein – so wie ein Licht, das plötzlich ausgeblasen wird. Sie hatten Angst, dass man mit ihnen das Gleiche macht wie mit Jesus. Darum schlossen sie sich ein.
Manche dachten auch, dass Gott Jesus verlassen hatte. Sie dachten: Wenn er wirklich Gottes Sohn gewesen wäre, dann hätte Gott den schrecklichen Kreuzestod bestimmt verhindert. Jesus hatte immer den Verlorenen geholfen. Warum hatte Gott nicht Jesus geholfen, als er so verloren da hing? War Jesus doch nicht Gottes Sohn?
So fragten sie sich.

Doch da – so heißt es – kommt Jesus in ihre Mitte, obwohl die Türen verschlossen waren. Dabei hatte er ihnen schon früher gesagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Wegen ihm waren sie ja versammelt. Sie redeten ja über nichts anderes als über ihn und seine Kreuzestod. Eigentlich war er schon längst da – nur jetzt wurde es ihnen klar: Er ist da! Und sie hörten in ihrem Herzen wie er sagte: „Friede sei mit Euch!“ Da waren sie glücklich!

Das Erstaunlichste war: Jesus war voller Frieden, obwohl er die Wundmale der Nägel und die Seitenwunde trug. Er war nicht unglücklich darüber. Er schimpfte nicht über die Wunden. Er fluchte nicht über die, die ihn so zugerichtet hatten. Er war trotz allem voller Frieden und sagte zu ihnen: „Vergebt einander!“ Das heißt: Macht nicht die böse Erfahrung zu Wichtigsten in Eurem Leben, sondern schaut auf Gott. Für Gott ist die Liebe wichtiger als das Böse, was man ihm angetan hat. Und so strahlt Jesus Frieden aus. Jesus ist ganz
erfüllt von Gottes Liebe.

Angst vor dem Bösen verschließt den Menschen. Gottes Liebe öffnet den verschlossenen Menschen. Darum kommt Jesus durch die verschlossenen Türen in dieser Geschichte. Für Jesus ist nicht das böse, nicht die Wunden, das Wichtigste, sondern die Liebe, die Gott zu ihm hat. Wo man im Leben das Böse, das Angst macht, wichtiger nimmt als die Liebe, die Vertrauen gibt, da schließen sich die Türen. Wo wir aber vertrauen, dass Gottes Liebe wichtiger, besser und hilfreicher ist, da öffnen sich die Türen.

Doch das ist anscheinend leichter gesagt als getan. Denn 8 Tage später haben sie sich immer noch eingeschlossen. Immer noch ist die Angst vor dem Kreuz, vor dem Bösen größer als das Vertrauen in Gottes Liebe.
Aber einer ist jetzt bei den Aposteln, der vorher nicht bei ihnen war. Es ist der Apostel Thomas. Er sagte: „Ich will die Wunden Jesu berühren. Ich will den Leib Christi berühren. Ich will Jesus da berühren, wo es ihm am meisten wehtut. Wenn er das zulässt, dann glaube ich an sein neues Leben, an die große Liebe Gottes. Da kommt Jesus und lässt sich berühren – berühren an seinen empfindlichsten Stellen. Er hat keine Angst davor. Jesus verschließt sich nicht vor Thomas.
Da sagt Thomas: Du bist wirklich mein Herr und mein Gott.

Liebe Kommunionkinder und allen anderen, die Ihr auch einmal Kommunionkinder wart:
Ihr werdet nachher den Leib Christi berühren.
Der Leib Christ, den ihr empfangt, besteht total aus Wunden. Denn er besteht aus zerriebenen, getöteten Körnern. Der Leib Christ, der im Zeichen des Brotes zu uns kommt, sagt uns: „Berühre mich und erkenne: Ich habe keine Angst, dass Du mich berührst“.
Ich bin offen für Dich – auch wenn Du verschlossen bist.
Ich werde Dir nie böse sein, auch wenn Du mir nicht glaubst, auch wenn Du mich im Leben nicht so wichtig nimmst, auch wenn Du den Glauben an die Liebe Gottes belächelst.
Ich verschließe mich niemals vor Dir. Ich liebe Dich, auch wenn Du irgendwelche vergänglichen, bösen Erfahrungen für wichtiger hältst, als meine ewige Liebe.
Ich schenke mich an Dich.  Berühre mich mit Deinem verwundeten Glauben.“

Ja, so spricht der Leib Christi im Herzen zu uns.
Deswegen sagen wir: „Mein Herr und mein Gott“.
Denn dieser Gott lässt alle Menschen an sich ran. Alle: die Ängstlichen, die Zweifler, die Verschlossenen, die, die das Böse nicht vergeben können und die, die wegen böser Erfahrungen nicht mehr lieben können. Er lässt sich von denen berühren, die nie eine wirkliche Freundschaft zu ihm suchten, die nur deswegen kommen, weil es so Sitte ist. Er lässt sich berühren und geht in unseren Körper hinein, weil für IHN nicht die Schuld, nicht das Versagen das Höchste ist, sondern seine Liebe zu uns. Darum ist er „Dein Licht“ und „mein Licht“.

Wer das verstanden hat, der sagt: Mein Herr und mein Gott…, und der will immer wieder diesen Leib empfangen, der sich vor keinem Menschen verschließt.


Ferdinand Rauch al Pfarrer                www.katholische-kirche-poppenhausen.de
 

Ostermontag 2012 

„Ihre Augen aber waren festgehalten“, so steht es wortwörtlich da.
Die übliche Übersetzung: „doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen…“ ist da nicht sehr genau. Denn es ist ein großer Unterschied, ob ich blind bin, so dass ich nichts sehen kann, oder ob meine Augen festgehalten sind: ich also nur in eine Richtung  sehen kann, auf einen Punkt ausgerichtet bin, wo ich nur einen bestimmten Blickwinkel habe.

Wenn also da steht, dass die Augen der beiden Jünger „festgehalten waren“, dann bedeutet das nicht: sie können nicht sehen, sondern sie starren nur auf einen Punkt, sie sehen nur einen Ausschnitt vom ganzen und halten diesen Ausschnitt für das Ganze.
Und deswegen können sie den Auferstandenen nicht sehen.

Der Ausschnitt, den die beiden Jünger sehen, besteht darin, dass sie nur die Verurteilung und den Kreuzestod Jesu sehen können. Nur noch diese schlimme Erfahrung haben sie im Blick und ihre geplatzte Hoffnung, dass Jesus Israel nach ihren Vorstellungen erlösen werde.
Sie können nicht sehen, dass Erlösung auch durch den Tod hindurch kommen kann.
So etwas geschieht, wenn die Augen „festgehalten“ sind, wenn man nur eine begrenzte Blickrichtung hat, wenn man den „eingeschränkten Blickwinkel“ zum Ganzen macht.

Dabei hatten sie auch schon von einer anderen Ansicht, von einer weiteren Sichtmöglichkeit gehört.  Es war die Sichtweise der Frauen, die zum Grab gegangen waren. Aber diese Sichtweise nahmen sie nicht an. Ihre Augen waren „festgehalten vom Kreuzestod Jesu“, von der Vorstellung: Jetzt ist alles aus!

Die beiden Jünger werden damit zu einem Spiegelbild für uns.
Sie fragen uns: Lasst Ihr Euch auch durch die schlimmen Ereignisse dazu verführen, nur das Kaputte, nur das Misslungene, nur das Schlechte im Leben zu sehen, oder habt ihr auch noch einen Blick für das Gute, das Andere, das Neue?
Wer nur auf einen Punkt, auf eine einzige Möglichkeit festgelegt, fixiert ist, der sieht natürlich nichts mehr, wenn dieser Fixpunkt verschwunden ist.
Wer nur eine einzige Blickrichtung kennt, dem bleibt das Ganze natürlich verborgen.

Jesus kommt nun zu diesen beiden Jüngern hinzu und weitet ihren Blick. Er löst sie von der Blickstarre. Es ist, als wollte diese Geschichte von den zwei Emmausjüngern deutlich machen: Ostern ist: wenn Du Deinen Blickwinkel erweiterst!
Ostern ist, wenn Du nicht nur „Ende“ siehst, sondern Vollendung.
Ostern ist, wenn Du über das Lebensende hinweg einen neuen Lebensweg entdeckst.
Wenn Ostern also der Anfangspunkt des Christentums ist, dann bedeutet das: ein Christ ist einer, der eine größere Perspektive hat, einen größeren Blickwinkel.
„Glauben“ ist also eine Lebenserweiterung – jedenfalls, wenn es um den Glauben an Jesus Christus geht.


Der Glaube an Jesus Christus engt nicht ein, sondern schenkt eine größere Lebensperspektive und hilft, nicht am Bösen, nicht am Schlechten, nicht am Verlust hängen zu bleiben, sondern eine verwandelnde Nähe zu zu lassen.

Darum tadelt Jesu die Jünger mit den Worten: „Oh Ihr Unverständigen und Trägen im Herzen …“  Und er öffnet ihnen den Blick dafür, dass auch im Kaputten, im Zerstörten, in Leid und Verlust eine neue Chance zu neuem leben ist.
Für Jesus gibt es immer auch die Möglichkeit zu einer neuen Lebensweise:
Selbst noch im Tod. Für Jesus ist nicht das Unglück, nicht die Ungerechtigkeit, nicht der Tod der Grund dafür, dass ein Mensch scheitert, sondern dass der Mensch sich nicht in einem größeren Zusammenhang sehen will. Wer sein Leben ohne größeren Zusammenhang sieht, der muss geradezu verzweifeln; für den gibt es nur die Erfahrung von Leben und Sterben, von Anfang und Ende, aber niemals von Hoffnung und Auferstehung, von ewigem Geliebtsein, von ewiger Bestätigung.

Was muss das für ein hartes Leben sein, wenn man nicht weiß: „Gott hat mich gewollt!“; … wenn man nur weiß: Am Ende meines Lebens werde ich immer mehr „Vergangenheit“ weil ich nicht sehe, dass Gott mir Zukunft schenkt.
Am Ende, immer nur sagen zu können: „Das Ende naht! Das Ende kommt!“ Und: Jetzt ist alles aus! …, muss schrecklich sein.

Sagen zu können: „Nach dem Ende kommt die Vollendung“ und: „Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern „Gottes Liebe“, das ist eine ganz andere Haltung! Das macht das Leben weit und hilft, sich mit den Lebensbrüchen zu versöhnen.

Ohne Glauben an Gott ist das Leben ja so eng, so eng wie ein Leben mit Scheuklappen.
Welche Weite hat doch der glaubende Mensch für sich und für die ganze Welt, wenn er sagen kann: Wir sind auf ewig geliebt. Da wird selbst aus Tod wieder Leben und da können wir im Brot die Gegenwart Gottes erkennen.
Christusglaube macht weit.


Ferdinand Rauch als Pfarrer www.katholische-kirche-poppenhausen.de

Ostersonntag B 2012  

Drei Frauen auf dem Weg mit der Absicht, Jesus zum letzten Mal zu begegnen.
Drei Frauen auf dem Weg, um endgültig Abschied zu nehmen.
IHM noch einmal begegnen und dann nie wieder.

Viele von uns werden so etwas Ähnliches auch schon erlebt haben:
der letzte Blick auf den toten Vater, die tote Mutter, eine letzte Berührung des geliebten Mannes, der geliebten Frau, eine letzte Gabe in den Sarg bevor er sich für immer schloss.

So wollten auch sie, Maria Magdalena, Maria Jakoba und Salomé ihrem geliebten Meister und Freund, ihren Seelenführer zum letzten Mal sehen, zum letzten Mal berühren, ihn als letzte Gabe  mit duftenden Essenzen salben.

Für sie war er kein Verbrecher, kein Gotteslästerer, kein Gottverfluchter, obwohl ihn der Fluch des Glaubens getroffen hatte, … der Fluch nämlich, zu glauben, dass Gott auch den verfluchtesten Menschen liebt.
Die Treue zu diesem Glauben hatte ihm das Leben gekostet…, obwohl diese Frauen durch Jesus erfahren hatten: „ Er hat uns drei Frauen erst wirklich das Leben gebracht.“ Er hat uns durch seine Einstellung, durch seinen Glauben die Augen für das wahre Leben geöffnet. Jeder geliebte Mensch hat dem Liebenden irgendwie das Leben weit gemacht. Dafür sind sie dankbar. Dafür haben sie Salböl gekauft und gehen bei Tagesanbruch zum Grab…, so früh als möglich – so früh wie sonst keiner zu einem Grab unterwegs ist. Es ist der Erste Tag, einer neuen Woche, einer neuen Zeit, und die Sonne geht auf als sollte gesagt werden: Es werde Licht – Erster Tag – wie bei der Schöpfungs-erzählung, um die Finsternis zu vertreiben, die durch Jesu Tod auf ihrem Leben lag.

Aber da ist noch eine Finsternis.
Das Grab ist verschlossen mit einem riesigen Rollstein.
Nichts mit „letzter Begegnung“, nichts mit „noch einmal sehen“, nichts mit „letzter Ehre, letzter Gabe“.
Alles Aufstehen umsonst, alles Salböl unbrauchbar – alle Liebe scheint nichts zu nützen. Alles vergeblich: der Stein verhindert die letzte Begegnung.
Eine scheinbar dumme, ja naive Frage morgens um 5.00 Uhr: „Wer wird uns den Stein aus der Tür des Grabes wegwälzen?“ Welche Kraftprotze laufen um diese Zeit in Gräberfeldern umher? Kein Mensch!
Ja, kein Mensch wird da sein, um den Grabstein weg zu wälzen. Kein Mensch.

„Da blicken sie auf“, heißt es: Aufblicken – nach oben etwa, zum Himmel? Was soll der Himmel schon gegen einen tonnenschweren Rollstein ausrichten? „Aufblicken!“, ob das hilft? Anscheinend! Denn sie sehen, dass weggewälzt war der Stein, obwohl er sehr groß war.
Sie blicken auf und schon sehen sie: der Stein ist weg.
Der Himmel, zu dem sie aufblicken, eröffnet einen Zugang zum  Toten.
Und wenn der Stein noch so groß ist: der Himmel öffnet einen Zugang zu den Toten.
Keine Kraftprotze sind nötig, sondern ein anderer Blickwinkel, …“aufschauen zum Himmel“ und das, was verschlossen war, öffnet sich.

Aber nicht so, dass die drei Frauen nun ihre letzte Begegnung mit Jesus haben können. Nein! Der Himmel öffnet kein Grab für eine letzte Begegnung mit einem Toten. Der Himmel öffnet nie etwas so, wie wir es wollen. Der Himmel öffnet schwerste Türen nur durch einen anderen Blickwinkel.
Er öffnet keine Türen für unsere Wünsche nach „letzten Begegnungen“. Denn der Himmel ist nicht an letzten Begegnungen interessiert! Denn letzte Begegnungen sind Begegnungen, die den Tod verkünden – das Aus des  Miteinanders, den Tod der Beziehung.
Daran ist der Himmel nicht interessiert.
Der Himmel, Gott, ist kein Beerdigungsinstitut.
Der Himmel, Gott, ist Bringer des Lebens, der unendlichen Begegnungen, des ewigen
Wiedersehens. Aber nicht im Grab, sondern an den Lebensorten – für die, die Jesus
Suchen: dort wo sie leben – in Galiläa.

Das ist Ostern: mit einem neuen Blickwinkel, einer neuen Perspektive – nämlich mit Blick auf den, dessen Name heißt: Ich bin bei Euch mit ewiger Liebe, da sehen wir unsere Toten in Gottes Liebe. Und diese Liebe lässt sie leben.
Natürlich bleiben die Gräber zu. Keine Grabplatte bewegt sich – braucht sich auch gar nicht zu bewegen.

Man aufersteht doch nicht zum Leben bei Gott, weil Grabplatten sich öffnen. Dann wäre ja nach Jesus niemand mehr auferstanden. Auferstehung, Heraussteigen aus dem Grab ist eine Angelegenheit der Sichtweise. Nur wer auf Gottes Liebe schaut, der sieht sich und alle anderen in einem unzerstörbaren Leben.

Ich bräuchte noch nicht einmal einen entschwundenen Leichnam, um an die Auferstehung zu glauben. Denn wenn ich darauf vertraue, dass Gott die Liebe ist, und er alles in Liebe geschaffen hat, dann kann ich gar nicht anders, als uns alle als ewig Geliebte, als ewig Lebende anzusehen. Bei Gott gibt es keine letzte Begegnung, keine letzte Berührung, keinen Abschied vom Menschen.
Bei Gott gibt es nur „neuen Anfang durch Wandlung“.
Neuen Anfang durch eine neue Perspektive.

Wehe dem, der nicht aufschauen kann zu Gott.
Für den bleibt jedes Grab verschlossen.
Auf den warten letztlich immer nur letzte Begegnungen, sinnlose Grabbeigaben und die gottlosen Sätze: „Tot ist tot“ oder „Es ist noch nie einer wiedergekommen.“
Sätze von Menschen ohne Perspektive, ohne neuen Blickwinkel.
Sätze von Menschen, die nicht an die Liebe glauben, denn Liebe ist ewig oder gar nicht – jedenfalls bei Gott!

Aber wir sind heute Morgen hier her gekommen, um an die Liebe zu glauben, die Liebe, die nie vergeht. Eine Liebe, die unsere schweren Lebensbrocken, die auf uns lasten, nicht wegzaubert, eine Liebe aber, die sich zu diesen Lebensbrocken dazustellt und sagt:
Aber ich liebe Dich. Ich will Dich. Ich habe Dich erwählt.

Darum haben die drei Frauen das Salböl nicht umsonst mitgebracht!“
Der Legende nach, haben sie das Öl mit nach Galiläa genommen.
Und immer, wenn wieder einem ein Stein auf dem Herzen lag, dann haben sie von dem Öl genommen, den trauernden Menschen damit auf die Stirn gesalbt oder in die Hand und gebetet: „Der Herr ziehe ein in Dein inneres Grab und durchdringe Dich mit seiner Liebe.“



Und so erhält jeder nach der Hl. Kommunion wie am Karfreitag nach der Kreuzverehrung die Möglichkeit einen Tropfen des heiligen Öles zu nehmen, sich auf der Stirn zu salben oder in die Hand - und zu beten: „Gott ziehe ein in mein Leben.“

Und alle bekommen so eine kleine Phiole mit Salböl, um zu Hause in schwierigen Zeiten ein wenig davon zu nehmen – nicht als Wundermittel zur Erfüllung der eigenen Wünsche, sondern um dadurch Aufzublicken zum Herrn und sich ihm anzuvertrauen.
Denn er will mit uns leben. Amen – Halleluja!

Ferdinand Rauch als Pfarrer                   www.katholische-kirche-poppenhausen.de
 

Karfreitag 2012 

Ein Mensch ist tot.
Allein das macht uns schon betroffen.
Aber eben haben wir durch die vorgetragene Leidensgeschichte Jesu, einen Menschen bis in den Tod begleitet. Gefangennahme, Verurteilung, Folter, Hinrichtung, Tod. Und wir sind diesen Todesweg mitgegangen, haben ihn miterlebt und sind mitbetroffen.

Jesus selbst sagt zu diesem Weg: „Es ist vollbracht!“
Gemeint ist damit: Ich bin ans Ziel gekommen, auch wenn dieses Ziel als Ende, als Tod gesehen wird. Denn nun hat Jesus den Punkt des Lebens erreicht, den wir den „Nullpunkt“ nennen, das „Nichts“. Diesen Punkt wollte er mit Gott verbinden. Denn dieser Nullpunkt, der Tod, und zwar der Tod eines gescheiterten Menschen, den hatte bis dahin kein Mensch mit Gott in Verbindung gebracht.

Gescheitertes, ohnmächtiges, von allen Instanzen der Religion und des Staates verurteiltes Leben mit Gott zu verbinden. War für die damalige Welt unmöglich. Gott und Scheitern, Gott  und „kaputtes Leben“, das wurde abgelehnt.
Und wenn wir ehrlich sind, fällt es jeder Menschengeneration schwer – auch uns heutzutage – die Niederlagen des Lebens mit dem „guten Gott“ zu verbinden. Denn „Scheitern“ und „gut“, „Leid“ und „Liebe“ sind für uns wie Feuer und Wasser, wie unüberbrückbare Gegensätze. Doch genau das: dieses Zusammenbringen von Leben und Tod, die Verknüpfung von Gott und Untergang, genau das bezeichnet Jesus mit den Worten: „Es ist vollbracht!“

Er sagt jetzt nicht: „So musst Du es auch machen!“ Aber er sagt damit: Das ist das Ziel meines Weges gewesen. Das ist der Weg, damit das Leben nicht im Tod endet, also nicht in der Beziehungslosigkeit, nicht im Verlorensein.
Verknüpfe alles mit Gott – lass nichts und niemanden und keinen Augenblick unverbunden sein mit Gott, sonst bist Du am Ende wirklich ein Verlorener, eine Verlorene!

Darum hat er als vorletzte Tat, bevor er seinen Tod mit Gott verband, noch seine Mutter und den Jünger, den er liebte unter seinem Kreuz miteinander verbunden.
ER, der nun verloren erscheint,  ER, für  den nun das Leben der Welt verloren geht, ER verbindet zu einem neuen Bund. ER verbindet eine Mutter, die nicht die biologische Mutter des Jüngers ist mit dem Jünger, der nicht ihr biologischer Sohn ist und knüpft eine neue Lebensbeziehung aus dem Geist Gottes heraus. Der Verlust der Mutter, die ihren Sohn verliert, der Verlust des Jüngers, der seinen Freund und Meister verliert, dieser Verlust bringt eine neue, tiefe Beziehung, neue Gemeinschaft, neues Leben.

So macht Jesus deutlich, dass es darum geht, die Verluste des Lebens, die jeder erleben wird, nicht als Verluste stehen zu lassen, sondern die Verluste in der Verbindung mit Gott zu einem neuen Lebensweg zu verwandeln.

Natürlich war dann Jesus tot! Ein Leben mit ihm wie zuvor gab es nie wieder. Das Leben mit Gott ist nie ein Weg zurück. Wer sich auf Gott einlässt, der muss wissen: Gott ist derjenige, der unser Leben auf neue Wege führt. Wer das nicht erkennt, der verzweifelt an Gott, dem kann Gott zu keinem neuen Weg verhelfen.
Darum nannte man die Jünger Jesu: die Anhänger des Neuen Weges.
Es sind immer Wege, die Gott geht, die beide Seiten in sich tragen: Freude und Leid, Kummer und Schmerz. Denn „Liebe“ trägt diese beiden Seiten immer in sich; auch „Treue“ ist nicht ohne diese beiden Seiten zu denken. Wir kennen alle die Sätze von Liebe und Treue. Die Liebe sagt nicht nur: „Ich liebe Dich.“ Die wahre Liebe endet nicht, weil sie sagen kann: „Ich kann Dich leiden!“. Sie ist Liebe, weil sie mit und für jemand leiden kann. Sie verbindet gute und schlechte Zeiten zu einer Liebe. Und auch die „Treue“ kann sagen: „Ich bin Dir treu bis in den Tod.“ Gerade weil die Treue so treu sein kann, hält sie Leben und Sterben zusammen. Das ist das, was Jesus meint, wenn er sagt: „Es ist vollbracht“. (Joh 19,30)

Darum habt Ihr alle heute einen Olivenzweig erhalten. Er ist seit Menschengedenken das Zeichen für einen neuen Anfang aus dem Untergang. Wer kennt sie nicht, die Geschichte von der Sintflut, bei der alle Menschen untergingen, weil sie sich nicht mehr von Gottes Wort tragen lassen wollten. Sie wollten ohne Gott leben und verloren so die tragende Kraft. Sie gingen unter in den Fluten der Welt.

Nur Noah baute sich eine Arche, weil er auf Gott hörte. Denn das Wort „Arche“ wird in der biblischen Sprache genauso geschrieben wie das Wort „Wort“. „Arche“ heißt sowohl „Kasten“ und hat die Maße des Tempels. Arche kann aber genauso gut übersetzt werden mit dem Begriff „WORT“. Wer also im Wort Gottes ruht, wer sich auf das Wort Gottes einlässt, der bekommt eine tragende Beziehung, wenn einem das Wasser mal wieder bis zum Hals steht. Wer sich nicht von Gott tragen lässt, wer nur auf die Kräfte der Welt vertraut, der geht unter, denn er hat es nicht vollbracht, das Ende, den Tod, die Ohnmacht des Lebens mit Gott zu verbinden. Wer sich nicht mit Gott verbindet, hat keinen Sinn, keinen weiterführenden Weg für die abgebrochenen Lebenswege.

Als Noah dann eine Taube aussendet, kommt sie mit einem Ölbaumblatt zurück. Dargestellt wird sie zwar immer mit einem Zweig im Schnabel. Aber es steht dort, dass sie ein Blatt vom Ölbaum bringt. Für den biblischen Schriftsteller ist das wichtig, denn wer sich so ein Blatt anschaut, der bemerkt: Dieses Blatt hat besonders ausgeprägt zwei sehr verschiedene Seiten: Die Oberseite mit fettem Grün, die Unterseite silbergrau. So wie wir sprichwörtlich sagen: „alles hat seine zwei Seiten“ – zwei sehr unterschiedliche Seiten. Beide Seiten bilden das ganze Blatt.



Die Taube kommt also nicht nur mit der Botschaft, dass Gott neues Leben ermöglicht. Sie kommt ebenso mit der Botschaft: Gott will das Leben mit den beiden Seiten! Er verbindet sich nicht nur mit dem Leben des Reichtums, sondern auch mit dem Leben der Armut. Nicht nur die Oberseite des Lebens ist Leben.
Verbinde alle Seiten mit Gott und erlebe  die Wandlung, dass Du nicht untergehst.

So sind wir eingeladen, das Kreuz zu verehren, durch das Jesus deutlich macht: Vertrau auf Gott auch im Lebensverlust. Wenn wir zum Kreuz gehen, dann dürfen wir mit unserem Ölbaumzweig kommen und ihn vor dem Kreuz ablegen. Man kann aber auch ein paar Blätter abtrennen – wie eine wortlose Bitte - und sie dann vor das Kreuz legen. Gott möge uns die Einsicht und die Kraft schenken, beide Seiten des Lebens an zu nehmen und sie zu verwandeln.

Als Zeichen dafür, dass Gott in Heil verwandelt, stehen nach der Kreuzverehrung links und rechts zwei Ministranten mit einer Ölschale bereit. Wir dürfen unsere Finger ein wenig eintauchen, vom Öl aus den Früchten der Zweige nehmen und in den Händen verreiben.
Öl ist das Zeichen des Heils, das in uns einziehen will.
Von außen dringt es ein in uns, …geht unter die Haut und verkündet: Gott nimmt uns an – ganz und gar mit allen unseren Seiten.
Durch Christus Jesus hat er es vollbracht, dass alles mit ihm verbunden ist.              Amen.


Ferdinand Rauch als Pfarrer www.katholische-kirche-poppenhausen.de

Gründonnerstag 2012 B 

Liebe Schwestern und Brüder,

Jesus, so haben wir gehört, möchte etwas von sich weitergeben. Nein, nicht nur „etwas“, sondern sein Leben, seine Lebensgeschichte, sich selbst…wie Brot zum Essen.
Wir haben gehört, dass er sagt: „Das ist mein Leib für Euch!  (1 Kor 11,24)

Für die meisten von uns, sind diese Worte sehr bekannt. Wir hören sie in jeder Eucharistiefeier und wir bekommen diese Worte „zum Essen“ bei der heiligen Kommunion. Wir verleiben uns Jesus Christus ein. Unsere Kommunionkinder waren zwar noch nicht zur heiligen Kommunion, aber dennoch haben sie das Leben Jesu, seine Lebensgeschichte aufgenommen:
Seine Worte, seine Geschichten und auch vieles von seiner eigenen Lebensgeschichte.
In 11 Tagen sollen sie nicht nur mit Gottes Wort, sondern mit Christi Leib gespeist werden.
Sie sollen in sich aufnehmen, was dichter, intensiver, tiefer nicht aufgenommen werden kann: die Einheit von Gott und Welt im Sakrament, um selbst tiefer zu dieser Einheit zu kommen: ja selbst diese Einheit zu werden: die Einheit von Gott und Mensch.
Die Worte Jesu: „Das ist mein Leib für Euch“, wollen tiefer gehen als nur: „Ich gebe mich Euch hin“. Sie wollen zusammen mit dem Brot die Erfahrung vermitteln: Ich werde eins mit Euch, so wie dieses Brot in eurem Körper eins mit Euch wird.

„Das ist mein Leib für Euch“: diese Worte - zusammen mit dem Brot - sollen letztlich dazu führen, dass wir sagen können: Wir sind Christi Leib geworden. Gott gibt sich uns, damit wir IHN einverleiben und eine Identifikation stattfinden kann.
Identifikation heißt: „völlige Übereinstimmung zweier Personen“. Es gibt keine größere Identifikation als die, die Jesus heute anbietet. Das ist mit den Worten gemeint: „Das ist mein Leib für Euch“. Jesus identifiziert sich mit uns. Darum sagt er an anderer Stelle: „Was Du dem geringsten meiner Brüder getan hast, das hast Du mir getan.“ (Mt 25)

Die heilige Kommunion ist nicht nur eine „Annäherung“ Gottes an uns. Auch wir nehmen nicht nur das Allerheiligste Zeichen Christi an. Nein! Bei der Kommunion schenkt er uns die Einheit von Gott und Mensch. Nur so können wir auch verstehen, was Jesus damit wollte, als er seinen Jüngern die Füße wusch. Er, der Meister, macht sich zum Diener der Menschen. Er hebt damit das so genannte „Oben- und Unten-Verhältnis“ auf.

Nicht mehr ist Gott derjenige, dem der Mensch dient, sondern Gott dient allen Menschen. Nicht mehr ist Gott oben und der Mensch unten, sondern Gott dient dem Menschen, damit der Mensch dem Menschen dient. Wer ab heute „Gott“ sagt, der sagt: Diene durch Gott dem „Menschsein“.
„Das ist mein Leib für Euch, diese Worte Jesu bedeuten: „Ich schenke mich Euch, damit Ihr Euch einander schenkt“. Das sei Euer Gott! Gott verlässt sein „Höhersein“, sein „Über-dem Menschen-Stehen“ und wird Mensch in Jesus. Gott lässt sich herab und zeigt damit an: Gott ist „Gott“ als Diener der Menschen. Gott ist der Höchste „als Diener der Menschen“. Gottes Allmacht liegt darin, uns Menschen zu dienen. Den Leib Christi auf zu nehmen, bedeutet daher: Ich will den Menschen dienen.

Die Fußwaschung, die Jesus an seinen Jüngern vornimmt, macht aber auch deutlich, dass es nicht Gottes Ziel ist, wie ein Buttler, wie ein Bediensteter den Menschen zu dienen, dem man sagt: „Mach dies! -  Tu das!“ Gott will dienen, aber in einer Weise wie wir es zunächst nicht vermuten.
Die Erzählung von der Fußwaschung macht deutlich, dass Jesus gerade jenen Dienst übernimmt, den man ihm nicht zugetraut hatte, dass ER jenen Dienst übernimmt, gegen den Petrus sich zunächst sogar sträubte. Gott dient dort, wo der Mensch zunächst „Nein!“ sagt.
Wo sagen wir im ersten Augenblick „Nein!“ oder: „Bitte nicht!“
Wo sind wir von einem „Oben“-und “Unten-Denken“ geprägt, was uns am Dienen hindert?

Als Jesus begann, den Jüngern die Füße zu waschen, handelte Jesus gegen allen Anstand der damaligen Zeit …, gegen alle Erziehung, die verbot, dass ein Herr den Dienst eines Sklaven tat. Wo verhindern bei uns Gewohnheiten, Anstandsregeln, Gesellschaftsregeln, dass wir einander dienen, näherkommen? Wo müsste eine scheinbare Selbstverständlichkeit durchbrochen werden, damit wir einander näherkommen, damit wir wirklich einander dienen und nicht „Abstand halten“ als normal bezeichnen. Wo müssten wir uns näherkommen wie Jesus seinen Jüngern, damit wir Anteil am Leben, am Glauben des anderen erhalten?
…damit das Wort Jesu: „Das ist mein Leib für Euch“  spürbar wird – auch heute?

Liebe Schwestern und Brüder,
ich weiß, dass es nicht damit getan ist, eine Fußwaschung aus zu führen. Das ist ein Vorgang, der in einen kleinen intimen Kreis gehört, oder sehr gut mit den Beteiligten vorbereitet werden muss. Ich habe das vor etlichen Jahren als sehr gut erlebt.
Aber wir können uns trotzdem ein Zeichen des Dienstes am anderen schenken, das der Fußwaschung entspricht. An den Bankanfängen zum Mittelgang hin stehen dunkelblaue Gefäße – gefüllt mit Weihwasser.
Ich möchte uns einladen, dass wir diese Gefäße nach meiner kleinen Einführung nehmen, und derjenige, der dem Gefäß mit Weihwasser am nächsten sitzt, beginnt, es vorsichtig in die Hand zu nehmen, denn es ist mit etwas Klebeband gegen das Abrutschen gesichert, und mit den Fingern in das geweihte Wasser ein zu tauchen und dem Nachbarn damit ein Kreuzzeichen auf die Stirn zu zeichnen. Das können wir schweigend tun oder auch dazu sagen: „Gott segne Dich!“

Ja, ich weiß, das ist jetzt etwas Ungewöhnliches, etwas Unerwartetes. Aber dadurch kommen wir uns näher: persönlich und auch mit unserem Glauben, den wir damit dem anderen schenken. Vielleicht spüren wir auch in uns etwas von den Worten des Petrus: „Du, Herr, willst mir die Füße waschen?... Niemals sollst Du mir die Füße waschen!“ (Joh 13,6-8)

Wir können jetzt einander dienen, uns mit Glauben zu begegnen, denn „Glauben“ ist nicht:
„Ich glaube allein“ sondern „wir glauben“. Wir dienen uns im gemeinsamen Glauben.
So erheben wir uns und schenken uns durch diesen Dienst gegenseitig links und rechts auf diese Weise die Gemeinschaft des Glaubens: einmal als „Gebende“ und einmal als Empfangende.
 Einander segnen



„Fußwaschung“ bedeutet: sich ganz neu nahekommen!
Ganz neu zu erfahren: „Das ist mein Leib für Euch!“
Es ist das Geben und Annehmen von Glauben an Gott.
Dieser Glaube soll uns dienen und Anteil geben am Geist Christi. Amen.

Ferdinand Rauch als Pfarrer           www.katholische-kirche-poppenhausen.de

Palmsonntag B 2012 

Wir alle kennen den Ruf Jesu vom Kreuz:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

Wer aufmerksam zugehört hat, der hat heute jene Übersetzung des griechischen Urtextes gehört, die lautet:
Mein Gott, mein Gott, w o z u verließest Du mich?

„Warum?“ - Diese Frage ist immer rückwärts gerichtet.
Doch die eigentliche Frage Jesu ist nach vorn gerichtet: „Wozu?“
„Zu was „in der Zukunft“ erscheine ich jetzt wie ein Verlorener?
Wozu hänge ich als Verlassener am Kreuz?“

Jesus ist selbst bist in den Tod hinein keiner, der rückwärts gewandt ist. Jesus ist immer nach Vorn ausgerichtet, immer der Zukunft zugewandt.
So auch im Sterben.

Die Antwort wird ihm und uns allen daher an Ostern gegeben:
„Du erscheinst als Verlorener, um als ewig Geliebter zur Rechten Gottes wiedergefunden zu werden.
So wirst Du jedem „anscheinend verlorenen Menschen“ Zukunft geben.
Jeder soll nun in seinen Nöten fragen können:
„Gott, w o z u ist das gut, was ich jetzt an Verlust erleide?“
Um die Antwort - mit Blick auf Christus Jesus - zu erhalten:
Auch der Verlust dient dazu, dass Du Dich in Gott wiederfindest.

„Warum?“
Diese Frage bringt nichts!
Wir müssen wissen, w o z u, woraufhin wir leben.
Auf Gott zu! Immer auf Gott zu!
Nur so bleibt jedes Leben und jedes Sterben sinnvoll.
Ohne Zukunft bleibt jedes Leben und noch viel mehr jedes Sterben sinnlos.
Wir leben auf eine größere Zukunft hin: auf Gott zu.
Das ist Auferstehungsglaube!
Amen.

Ferdinand Rauch als Pfarrer www.katholische-kirche-poppenhausen.de

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